Archive für Beiträge mit Schlagwort: Medien

Google und das Recht auf vergessen

Als ein spanisches Gericht das Recht auf vergessen erfand, war der Jubel groß. Endlich würde der Normalbürger ohne viel Anstrengung mißliebige Suchtreffer löschen lassen können. Schon kurze Zeit später bemerkten große Websites, dass (möglicherweise) wichtige Informationen ‚gelöscht‘ wurden. Gelöscht wird ja eigentlich nichts, nur angezeigt wird in bestimmten Ländern nicht mehr alles. Hatten wir vorher auch schon, nur eben nicht so einfach für jederman, sondern nur aus Staatsräson, wenn man in Deutschland keine Hakenkreuze finden durfte. Jetzt haben wir eine Website, die die getilgten Treffer von Google wieder anzeigt. War ja klar, was versteckt wird, wird gleich doppelt interessant.

Screenshot der Website 'Hidden from Google'

Screenshot der Website ‚Hidden from Google‘

Na das hat ja großartig funktioniert.

Anonyme Editoren aus dem Bundestag

Im Internet weiß niemand, dass du ein Hund bist. So die gängige Meinung. Aber andererseits klar ist, dass die krummen Hunde von „da oben“ uns manipulieren. Sitzen in ihren Büros und beauftragen unterbezahlte Praktikanten mit dem Tuning ihrer Wikipedia-Einträge. Aber wir haben sie auf dem Kieker. Der Twitter-Bot @bundesedit twittert jede Änderung die aus dem Netz von Bundesbehörden anonym vorgenommen wurde. Erschreckend – die ganzen Rechtschreibfehler. Aber da muss ich wohl ganz ruhig sein.

Screenshot des Twitter-Accounts bundesedit

Screenshot des Twitter-Accounts bundesedit

 

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Nachdem der NDR als Erster die Zusammenarbeit zwischen Schufa und Hasso Plattner Institut meldete, brach in den deutschen Medien eine Welle der Empörung los. Der Grundtenor war: Wie können die das machen?! Schnüffellei! Nicht erlaubt! Böse! Die Empörung kannte keine Grenzen. Und natürlich wurde wieder der Terminus der Datenschnüffellei bemüht. Nur wenige Kommentare bemühten sich um eine sachliche Darstellung. Diese lautet letztendlich, dass die frei zugänglichen Daten eben von allen gesehen und genutzt werden können.  Und damit ist die Geschichte auch schon am Ende. Wer öffentlich in die (Netz-) Welt hinaus schreit was er gerade tut, gut findet oder kauft, der muss damit rechnen das es andere bemerken. Im Falle des Internets werden die Äußerungen nun auch noch archiviert. Bei Facebook für immer (?), bei Twitter nur für eine bestimmte Zeit.

Was ist neu und was ist evil?

Was sorgt nun für den großen Aufreger? Das eine Auskunftei öffentlich zugängliche Daten nutzt? Das sie diese mit ihren eigenen vergleicht und Schlüsse zieht? Ich weiß es nicht. Wer die Meldung als erstes verbreitet, der hat natürlich auch eine Art Deutungshoheit über die Information. Ohne die Originalmeldung vom NDR zu kennen, vermute ich, dass der NDR dieser eine negative Interpretation mitgegeben hat. Danach rollte die Meldung über die Ticker und die Mehrheit der Journalisten wollten mit einem Aufreger Quote machen – das unterstelle ich mal. Heute, nach einem Tag gab das Hasso Plattner Institut die Einstellung des Projekts bekannt. Grund: „So könne das Projekt nicht „unbelastet“ und „mit der nötigen Ruhe“ durchgeführt werden (Quelle: Spiegel Online)“.

Chance zur Aufklärung vertan

Was bleibt? Auf Druck der Medien wurde ein Forschungsprojekt eingestellt – ohne sachliche Grundlage – also sozusagen niedergebrüllt. Ein Sieg der Dummheit. Nach dem das Projekt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist, hätte man es medial begleiten können, endlich mal die so oft geforderte Transparenz ausüben können, indem man den Leuten auf die Finger schaut und nach Ergebnissen fragt. Der abstrakte und negativ besetzte Begriff Datenschnüffellei hätte mal mit Fakten gefüllt werden können. Wer findet denn eigentlich was über wen? Lassen sich da wirklich neue Erkenntnisse gewinnen oder werden da nur Belanglosigkeiten kultiviert und potenziert? Möglicherweise würden die Nutzer der Internetdienste besser überlegen welche Daten sie preisgeben (Diebe planen Einbrüche mit Facebook und Foursquare)?
Hätte alles sein können. Statt dessen werden die Firmen und Universitäten in Zukunft sehr viel vorsichtiger sein, wenn sie solche Projekte durchführen. Also auf Deutsch: Sie werden es geheim halten. Dafür danke liebe Journalisten und Redakteure! Danke dafür, dass ihr weiter für „Todesfalle Facebook“ sorgt (Der Dank geht an viele Journalisten, aber ausdrücklich nicht alle.)

Zum Abschluss ein paar Links:

Heute ist die Verschiebung der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg großes Thema in den Berliner Medien. Groß scheint die Überraschung, dass die Eröffnung nicht termingerecht erfolgt. Über das tatsächliche Baugeschehen kann ich nichts sagen. Im letzen Jahr und speziell seit Jahresanfang entstand bei mir  jedoch der Eindruck, die Medien in Berlin (Zeitungen, TV, Radio) würden einseitig, gezielt positiv auf die Eröffnung des Flughafen hinschreiben (Flughafengesellschaft sieht Eröffnungstermin nicht gefährdet. „Alles ist im Zeitplan ). Keine Kritik, noch bis vor wenigen Wochen war alles ok, null Problemo, Eröffnung wie geplant. Heute weint die Hauptstadtpresse, Wowereit und Platzek sind stinksauer. „Die Häme der Netzgemeinde“ titelt der Tagesspiegel und beschreibt die Reaktionen auf Twitter zur Verschiebung.

RSS-Feed des Berliner Tagesspiegels

Eindeutiger Tenor des Artikels: Die miese Netzgemeinde macht sich über die armen Politiker und Flughafenbauer lustig. Unerhört, dass die jetzt eine eigene Meinung haben und auch noch so laut, dass sie nicht zu überhören ist. Niemand glaubt nun mehr die perfekt abgeschrieben PR-Storys aus den Medien. Verdammt …  Den Rest des Beitrags lesen »

Wunderbare Welt der Zeitungen

Transparenz bei Tagesspiegel und Spiegel

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